Management ist nicht etwas, das sie mit jemandem machen. Management ist etwas, das sie für
jemanden machen. Je besser Sie die folgenden Management-Fähigkeiten
umsetzen, desto mehr Verantwortlichkeit werden Sie bei Ihren
Mitarbeitenden erleben. Sie werden fantastische Resultate bekommen ohne
dass sich Ihre Leute "gemanaged" fühlen.
Klare Erwartungen
Nur
klare Erwartungen können erfüllt werden. Darum müssen Sie zu aller erst
damit beginnen, Ihren Direktuntergebenen klar zu kommunizieren, was
ihre Rollen sind. Umgekehrt müssen Sie wissen, was Ihre Mitarbeitenden
von Ihnen erwarten.
In folgenden Bereichen müssen Sie Klarheit schaffen:
- Rollen:
Alle Ihre Mitarbeitenden müssen wissen, was ihre Arbeit ist, was an
Resultaten erwartet wird und wofür sie Verantwortlich sind. Ich
empfehle, diese anhand von fünf Rollen zusammenzufassen. Wenn nötig
könne Sie diese in einer detaillierten Job-Description ausformulieren.
Aber beginnen Sie zuerst einmal auf einem höheren Level.
- Werte:
Die Werte aus Ihrer Vision bilden die Identität Ihres Unternehmens.
Stellen Sie sicher, dass diese allen Ihren Mitarbeitenden klar sind und
dass sie genau wissen, wie Sie diese leben und erfüllen können.
- Rocks:
Rocks sind die Quartals-Prioritäten. Es ist wichtig, dass Sie und Ihre
Mitarbeitende sich einig sind über die Rocks und das das die wichtigsten
Ziele für das laufende Quartal sind. Sie sind dafür verantwortlich,
dass Sie die Rocks auch SMART definieren. Setzen Sie die Rocks gemeinsam
mit ihren Leuten und nicht für Ihre Leute.
- Messgrössen:
Vereinbaren Sie mit jeder Person mindestens eine Messgrösse, für die
sie verantwortlich ist. Damit weiss jede Person, wie ihre Leistung
gemessen wird. Nichts ist klarer als eine Zahl. Wenn Sie mühe haben, die
richtigen Zahlen für Ihre Mitarbeitenden zu identifizieren, so machen
Sie sich Gedanken darüber, was für den Erfolg Ihres Unternehmens
verantwortlich ist und versuchen Sie die Frühindikatoren in den
jeweiligen Bereichen zu identifizieren.
Wenn
Sie in allen vier Bereichen Klarheit geschaffen haben, werden Sie kaum
einmal eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter entlassen müssen, die
die Erwartungen in diesen vier Bereichen nicht erfüllen. Wer die
Erwartungen nicht erfüllt, wird höchstwahrscheinlich selbst kündigen.
Gut kommunizieren
Wenn
Ihre Erwartungen klar sind, ist es wichtige, dass Sie gut
kommunizieren. Das wichtigste ist dabei, dass Sie keine Vermutungen
anstellen. Gedanken lesen ist weder für Sie noch für andere
Mitarbeitenden teil der Job-Description. Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden
direkt, wenn Sie unsicher sind. Fragen Sie sie, wie es ihnen geht. Wenn
Sie nicht sicher sind, ob ihre Mitarbeitenden Sie verstanden haben,
fragen Sie nach. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie ihre Mitarbeitenden
verstanden haben, fragen Sie ebenfalls nach.
Im folgenden finden Sie drei Methoden, welche Ihnen helfen, Vermutungen zu eliminieren und Ihre Kommunikation zu verbessern:
- Zwei Emotionen:
Wenn Sie nicht sicher sind, was ihr gegenüber denkt, so bieten Sie sie
der Person an, gegenseitig zwei Emotionen auszutauschen. Eine positive
und eine negative. Damit ebnen Sie den Weg für einen Dialog und können
rausfinden, was in der Person vorgeht und Sie können ihre Gefühle
ebenfalls mitteilen.
- Das Verhältnis zwischen Fragen und Aussagen:
Beobachten Sie das Verhältnis von Fragen und Antworten, wenn Sie mit
Ihren Mitarbeitenden sprechen. Die meisten Menschen hören sich lieber
sprechen als dass sie andere ausreden lassen. Stellen Sie sicher, dass
Sie höchstens 20% der Zeit sprechen und ihre Mitarbeitenden 80%. Sie
erreichen das am besten, indem Sie Fragen stellen. Stellen Sie W-Fragen:
Warum? Wer? Was? Wo? Wann? Sie werden staunen was passiert, wenn eine
Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter zu Ihnen kommt mit einem Problem und
Sie anstelle von Ratschlägen mit Fragen kommen. "Was würden Sie tun" ist
eine Frage, welche unglaubliche Effekte haben kann.
- Echo:
Eine andere Methode, besser zu kommunizieren ist das Echo. Lassen Sie
ihre Mitarbeitenden ihre Aussage in ihren eigenen Worten wiederholen,
wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Nachricht angekommen ist.
Wiederholen Sie Ihrerseits Aussagen Ihrer Mitarbeitenden mit ihren
eigenen Worten, wenn Sie unsicher sind.
Den richtigen Sitzungsrhythmus aufrechterhalten
Sie
können ihre Kommunikation nochmals verbessern, wenn Sie einen soliden
Sitzungsrhythmus aufrechterhalten. Ich empfehle Ihnen, dass sie ein
wöchentliches Meeting mit ihren Direktunterstellten durchführen. Führen
Sie das Meeting immer zur gleichen Zeit und am gleichen Ort mit der
stetig gleichen Agenda durch. Beginnen Sie pünktlich und - noch
wichtiger - beenden Sie es pünktlich. Stellen Sie sicher, dass dieses
Meeting genügen Raum für Austausch bietet. In dieser Phase des Meetings
sollten Sie alle Issues diskutieren und lösen. Die wahrscheinlich beste
Meeting-Struktur bietet das Level 10 Meeting™[1].
Quartalsgespräche durchführen
Um
das Verhältnis zu Ihren Direktunterstellten nachhaltig zu verbessern
und zu pflegen, reicht wöchentliches Meeting nicht. Um das zu erreichen,
sollten Sie einmal im Quartal ein persönliches aber informelles
Gespräch führen. Besprechen Sie all das, was funktioniert und was nicht
funktioniert.
Ich
empfehle, dabei dem Schema 5-5-5 zu folgen: 5 Werte, 5 Rocks, 5 Rollen.
Mit EOS hat jedes Unternehmen 3-7 Werte, jede Mitarbeiterin und jeder
Mitarbeiter hat einen bis sieben persönliche Rocks und vier bis sechs
Rollen. Als Daumenregel sind es jeweils fünf. Diskutieren Sie offen mit
ihren Mitarbeitenden, was Sie verbessern könnten in den Bereichen Werte,
Rocks und Rollen.
Belohnung und Anerkennung
Egal
ob Sie ihren Mitarbeitenden auf die Schultern klopfen oder ihnen einen
Tritt in den Hintern geben, grossartige Führungskräfte belohnen und
anerkennen Ihre Mitarbeitenden unmittelbar. Mitarbeitende arbeiten
härter, länger und intensiver für Anerkennung als dass sie das für Geld
tun. Unterschätzen Sie darum niemals die Macht von Anerkennung und die
Effektivität von Feedback, sowohl positivem als auch negativem. Im
folgenden erläutere ich Ihnen drei Prinzipien die Sie bei der
Anerkennung ihrer Mitarbeitenden befolgen sollten:
- 24-Stunden-Regel:
Geben Sie ihre Rückmeldung rasch. Idealerweise innerhalb von 24
Stunden. Längeres Warten bei positivem Feedback reduziert dessen
Wirkung. Es kann beliebig wirken, weil der Bezug zum Auslöser mit der
Zeit schwindet. Zu spätes negatives Feedback wird oft wie ein
Sündenregister wahrgenommen. Es drängt die Mitarbeitenden in die
Defensive und sie werden die eigentliche Nachricht nicht mitnehmen. Wenn
Sie Ihr Feedback aber innerhalb eines Tages geben, wird das das
Verhalten nachhaltig positiv beeinflussen.
- Öffentliche und private Anerkennung:
Wenn Sie positives oder negatives Feedback geben, sollten Sie sich
eisern an den Grundsatz halten: Kritik im Privaten, Lob in der
Öffentlichkeit. Wenn Sie Mitarbeitende in der Anwesenheit von anderen
Personen kritisieren zerstören Sie jegliches Vertrauen, das Sie sich
erarbeitet haben. Wenn Sie es auf der anderen Seite verpassen, jemanden
in der Öffentlichkeit zu loben, nehmen Sie der Person die Möglichkeit
vor dem Team zu brillieren. Am besten erwähnen Sie besondere Leistungen
nochmals in ihrem Quartals-Meeting, wenn das ganze Unternehmen
versammelt ist.
- Boss vs. Buddy:
Seien Sie sich bewusst, dass Sie für ihre Direktunterstellten immer der
Boss sein werden und nicht ihr Buddy. Es ist OK, wenn Sie ein
freundliches Verhältnis zu ihren Mitarbeitenden haben, aber Sie müssen
den feinen Unterschied zwischen den Rollen verstehen. Wenn Sie Ihre zu
Ihren Mitarbeitenden ein zu freundschaftliches Verhältntis pflegen,
werden Sie früher oder später einen Loyalitätskonflikt erleben und Ihrer
Aufgabe als Führungskraft nicht mehr gerecht werden.
Die "Three Strike Rule"
Manchmal
werden Sie trotz klaren Erwartungen, effektiver Kommunikation,
regelmässigen persönlichen Gesprächen und raschem positivem und
negativem Feedback in die Situation kommen, in der es nicht
funktioniert. Es gibt Mitarbeitende, welche ihre Ziele verfehlen, aber
nicht verstehen oder nicht zugeben wollen, dass Sie nicht genügen.
Folgendes Vorgehen hilft Ihnen, solche Situationen fair, effizient und
rasch zu lösen:
Strike One: Vereinbaren
Sie ein Meeting mit der Person, welche die Erwartungen nicht erfüllt.
Eröffnen sie ihr unmissverständlich, das eine Kurskorrektur notwendig
ist. Lösen Sie allfällige Issues in Bezug auf die Situation. Schreiben
Sie die Abmachungen des Gesprächs auf um allfällige Missverständnisse
auszuschliessen. Wenn Sie denken, dass es notwendig ist, bitten Sie eine
dritte Person dabei zu sein. Geben Sie der Mitarbeitern oder dem
Mitarbeiter einen Monat zeit um das Problem zu lösen und sitzen Sie dann
ein zweites Mal zusammen.
Strike Two:
Sitzen Sie nochmals mit der Person zusammen und schauen Sie gemeinsam
die Leistung der letzten 30 Tage an. Wenn die Leistung genügen war,
können Sie die Sache ad acta legen. Wenn die Leistung nicht besser
wurde, versuchen Sie erneut allfällige Probleme zu lösen und vereinbaren
Sie eine weitere 30-tägige Periode. Fassen Sie auch dieses Gespräch
schriftlich zusammen um erneut Missverständnisse auszuschliessen. Sitzen
Sie nach weiteren 30 Tagen nochmals zusammen.
Strike Three:
Wenn das Problem beim dritten Meting nicht gelöst ist, kündigen Sie die
Person. Erfahrungsgemäss wird es in den meisten Fällen gar nicht zum
dritten Meeting kommen. Die Mitarbeitenden werden von sich aus Kündigen
und das Unternehmen verlassen, bevor es zum dritten und entscheidenden
Schritt kommt.
Wichtig:
Sie müssen für jeden Issue in jedem Meeting mindestens drei Vorfälle
vorweisen können. Die Person wird typischerweise den ersten Vorfall als
Ausnahme deklarieren. Beim zweiten wird sie sich irgendwie rausreden
können. Ab dem dritten Vorfall werden die meisten einlenken und das
Problem anerkennen.